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25 Jahre Hachenburger KulturZeit

Beate Macht (re.) gelingt es immer wieder auf´s Neue, auch TV-Stars wie Dieter Nuhr nach Hachenburg zu holen.

Von Sandra Fischer

Hachenburg wäre nicht Hachenburg, wenn sich die stolze Stadt im Westerwald nicht etwas ganz Besonderes zum 700-jährigen Bestehen ausgedacht hätte. Statt mit einer Chronik oder einem Bildband aufzuwarten, hat sich die Stadt gleich einen eigenen Kinofilm über die wechselreiche Historie gegönnt. Auf Idee von Kulturreferentin Beate Macht wurde ein monumentales Werk für die Ewigkeit geschaffen. Die Verwirklichung des Filmes ist auch ein Spiegelbild der Hachenburger Kulturlandschaft, die in der Region zu Recht eine Vorreiterrolle genießt. Als DIE Kulturhochburg in der Region zieht das bewährte Programm der Hachenburger KulturZeit hallenweise Besucher aus nah und fern in die Westerwald-Metropole. Ausverkaufte Veranstaltungen, zufriedene Künstler, ein begeistertes Publikum – die Zahlen sprechen für sich. Und da in diesem Jahr nicht nur die Stadt sondern auch die KulturZeit mit 25 Jahren ein Jubiläum feiert, werfen wir einen Blick hinter die Kulissen mit Kulturreferentin Beate Macht, die die Hachenburger KulturZeit in ihrer 15-jährigen Arbeit zu dem gemacht hat, was sie heute ist: ein werbe- und ertragreiches Aushängeschild für die Stadt.

Blättert man im ansprechend gestalteten Veranstaltungskalender der KulturZeit findet man jenen gelungenen Mix von bekannten Namen aus Funk und Fernsehen, gepaart mit außergewöhnlichen Nachwuchstalenten, die nicht selten kurz nach ihrem Auftritt in Hachenburg einem größeren Publikum bekannt und später mit Kleinkunstpreisen ausgezeichnet werden. Dieses Gespür für das Besondere und bis dahin noch Exklusive setzt die studierte Kulturwissenschaftlerin von vielen anderen Veranstaltern ab. Mit ihrem Einstieg in der Hachenburger KulturZeit 1999 hat sie die gute Basis, gelegt von ihren Vorgängern Jürgen Hardeck und Anette Battenberg, beständig ausgebaut und weiterentwickelt.  So wurde beispielsweise das Konzept von Treffpunkt Alter Markt (TAM), der beliebten Veranstaltungsreihe im Stadtmittelpunkt, überarbeitet und ausgebaut. Während TAM in den Anfangsjahren noch alles vom Kinderfest bis zum Figurentheater beinhalten konnte und an unterschiedlichen Wochentagen stattfand, setzte Beate Macht auf rein musikalische Vorführungen und einen festen Wochentag. Auch ließ sie die Konzerte bei schlechtem Wetter  nicht mehr ausfallen. Recht sollte sie behalten. Selbst bei Regen strömen hunderte von Besuchern in den Sommermonaten auf den Alten Markt, zum Treffen, Austauschen und natürlich der guten Musik wegen. Auch hier macht es wieder der Mix aus gefälligen, bekannten Melodien und dem Außergewöhnlichen, das die Kulturreferentin dem Hachenburger Publikum gerne vorstellen und anbieten möchte. Um neben nationalen und internationalen Künstlern auch das Talent vor der Haustür zu fördern und mit einzubeziehen, hob Macht den zusätzlichen Treffpunkt Heimat aus der Taufe, bei dem mittwochs abends regionale Bands ihr Können vorstellen. Dass ihr Ansatz gut ankommt, kann jeder sehen, der mal an einem Donnerstagabend im Sommer in Hachenburgs guter Stube war: Bis zu mehrere tausend Menschen tummeln sich dort und leben und genießen das, was schon seit Jahren auf Werbeaufklebern zu lesen ist: Hachenburg ist wunderbar! Und das nicht zuletzt durch die eindrucksvolle Kulturarbeit, die ein nicht zu unterschätzender Standortfaktor ist.

Denn auch das fließt in die nachhaltige Kulturarbeit von Beate Macht ein: die Attraktivität der Stadt noch mehr zu erhöhen, um potentielle Neubürger anzuwerben und dem demographischen Faktor entgegenzuwirken. Kultur als gemeinsamer Nennen verbindet, baut Vorurteile ab, schafft Akzeptanz und baut Brücken, ist sich Macht sicher. Um diesen Integrationsfaktor auszubauen, werden bei Projekten wie beispielsweise der Kunstwoche oder „Hachenburg spielt verrückt“ regelmäßig Schulen und Kindergärten eingebunden, die sich mit eigenen Projekten beteiligen. Ein Fest von Allen für Alle, wünscht sich Macht, die den Bürgern das Kulturprogramm nicht einfach anbieten, sondern alle mit einbeziehen möchte. So sind zur Eröffnung des Kultursommers hunderte von Kindern und Schülern unterwegs, um die Stadt mit Krawatten und Schleifen ordentlich herauszuputzen. „Jeder beteiligt sich, wie er kann. Es soll ein Fest der Bürger sein“, so Macht.

Dass sie bei ihrer Konzeption die volle Unterstützung von Bürgermeister Peter Klöckner und Charly Röttig sowie der politischen Gremien hat, dafür ist sie sehr dankbar. „Ohne dieses Vertrauen von Anfang an wäre eine solche Kulturarbeit gar nicht möglich.“ Kaum jemand weiß, dass die komplette Kulturarbeit mit nur 1,5 Stellen bewältigt wird. Vor Ort wird Beate Macht tatkräftig von Angela Kappeller (Betriebswirtin Touristik) und Jan Leins, der Literatur-, Kultur-und Medienwissenschaften studiert hat, unterstützt. „Ein tolles Team“, schwärmt Macht über die Zusammenarbeit, die fachliche Kompetenz und das außerordentliche Engagement. Und dass diese gelungene Konstellation erfolgreich ist, ist nicht zuletzt an den Besucherzahlen ersichtlich, die kontinuierlich steigen. Das Wort „ausverkauft“ hinter Veranstaltungen der Hachenburger KulturZeit ist keine Seltenheit.

Das „3 für 2“-Abo ist ein weiterer Schachzug der Kulturreferentin, um dem Publikum nicht nur etablierte Künstler zu bieten. Oft kommen die „Wildcards“ dann sogar besser ans, als die alten Hasen. Rund 100 treue Dauerabonnenten vertrauen dem Geschmack der Kulturwissenschaftlerin bereits blind und sind begeistert vom abwechslungsreichen Programm, das sie ansonsten nur in Großstädten geboten bekommen.

Projekte wie „Kunst vor der Haustür“, „Hachenburg spielt verrückt“ oder „Lichterloh“ sind weitere Aushängeschilder einer zeitgemäßen Kulturarbeit, die Hachenburgs Namen als Kulturhochburg weiter stärken und ausbauen. Nicht verwunderlich, dass die Hachenburger KulturZeit Thema einer wissenschaftlichen Arbeit* ist.

Begeistert ist Macht auch über das große Engagement von ansässigen Vereinen und Privatpersonen, die das Kulturprogramm mit Veranstaltungen wie Kinderkonzerten oder Klassikabenden noch facettenreicher machen und die Kulturarbeit ergänzen und bereichern.

Um Kunst und Kultur auch wirklich jedem zugänglich zu machen, werden in Hachenburg immer wieder neue Projekte wie beispielsweise SKultur verwirklicht, das Schülern oder ganzen Schulklassen freien oder extrem ermäßigten Eintritt gewährt, so dass sie beim gesellschaftskritischen Kabarettabend oder dem Konzert einer außergewöhnlichen Band Sozialkunde oder Musikunterricht einmal ganz anders erleben können. Die Kulturloge hingegen erlaubt auch Geringverdienern den Besuch bei Nuhr & Co – kostenfrei!

Auf neues Terrain begibt sich die KulturZeit mit verstärkter Jugendarbeit. Da das Jugendtheater in 2013 so großen Anklang fand, wird es nun alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Figurentheater angeboten. Angesprochen werden dabei aktuelle Themen wie beispielsweise die neuen Medien. Gerade in Zeiten, in denen Jugendliche großteils in virtuellen Welten wie Facebook, Twitter, Whatsapp etc. zuhause sind, werden hautnahe Begegnungen mit gesellschaftspolitischen Problemen wie Mobbing durch das Medium Theater umso wichtiger, betont Macht, selbst dreifache Mutter.

Für die Zukunft wünscht sich die Kulturreferentin, die Kulturarbeit noch weiter auszubauen, eine noch stärkere Zusammenarbeit mit regionalen Vereinen, Schulen und dem Werbering, noch mehr Zielgruppen zu erschließen und die Stadt Hachenburg noch attraktiver für Neubürger zu machen. Schaut man sich an, was Beate Macht in den vergangenen 15 Jahren geleistet hat, ist man sich ihres Erfolges sicher.

 

*Daseinsvorsorge. Eine Gesellschaft – wissenschaftliche Annäherung. Demographischer Wandel – Hintergründe und Herausforderungen. Herausgeber: Claudia Neu.