Theater 1

Goethe, Wassermaus und Kröte

Eine kleine Sprachmusik

Der Dichterfürst in Latzhose mit roter Zipfelmütze Purzelbäume schlagend, so kann sich der Bildungsbürger den Olympier nicht vorstellen. Warum? Weil er sich erst als gereifter Stürmer und Dränger, Autor des „Werther“ in ihren Bildungshorizont schiebt. Auch Goethe war mal vier Jahre alt und mitten in der Sprachentwicklung. Kinderreime wie „Lackschuh – Kackschuh“, hätte er mit derselben Lust an „schlimmen Wörtern“ und Sprachspielerei zur Kenntnis genommen, wie das kindliche Publikum. Das Götzzitat und andere Vulgarismen und Obszönitäten hätten sonst wohl kaum Eingang in sein Werk gefunden. Ganz zu schweigen von seiner wunderbaren Sprachmusik.

Ich stelle mir vor, dass der kleine Harry Heine, Hänschen Böttcher „Ringelnatz“ und Christian Morgenstern zwischen den Kindern sitzen. Ganz rechts lauschen über dem steifen Kragen die geröteten Segelohren Fränzchen Kafkas dem Spiel von Jojo Ludwig und Christiane Remmert. Heini Kleist denkt an seinen Schulaufsatz über das Marionettentheater. Tommy Mann im Matrosenanzug sitzt in der ersten Reihe. Hinten am Ausgang schmollt Thomas Bernhard und ärgert sich über das blendende Notlicht.